Dackel Poldi kennt das Glück von Börtewitz

Wer Gut Börtewitz besucht, begegnet ihm meist zuerst: Dackel Poldi. Seit Jahren streift er über den Vierseitenhof, begrüßt Gäste, beobachtet den Alltag von Familie Reese und erlebt, wie aus einem historischen Gut ein Heimatort geworden ist.

Noch bevor Leben in den Hof einkehrt, dreht Dackel Poldi seine Runde über Gut Börtewitz. Seine Pfoten kennen jeden Winkel des Vierseitenhofes, jede Unebenheit im Kopfsteinpflaster und jeden Duft, den ein neuer Tag mit sich bringt. Aus dem Stall der Pferde weht der Geruch von Heu, feuchter Erde und frischem Futter. Irgendwo fällt eine Tür ins Schloss, kurz darauf springt ein Traktor an. Johann, der älteste Sohn der Familie Reese, ist längst unterwegs. Helene, die Mittlere, verschwindet zwischen Garten und Streuobstwiese, während Malte, der Jüngste, mit einem Buch unter dem Arm einen ruhigen Platz im großen Garten sucht. Auf den Weiden stehen die Galloways, gelassen wie eh und je. Und Poldi? Der hält Ausschau nach den ersten Gästen. 

Viele Besucher bleiben oft schon im Torbogen stehen. Lassen den Blick über den Hof schweifen, atmen tief ein und sagen wenig später fast immer denselben Satz: „Wie schön es hier ist.“

Poldi kennt diesen Satz. Er hört ihn oft. Für ihn ist dieses Gefühl selbstverständlich. Für Andreas und Ulrike Reese ist es das Ergebnis einer Entscheidung, die fast zwanzig Jahre zurückliegt – und vieler kleiner Schritte, die aus einem sanierungsbedürftigen Vierseitenhof einen lebendigen Ort zum Leben, Arbeiten und Ankommen gemacht haben.
 

Wo eine Unternehmensnachfolge zum Neuanfang wurde

Als Andreas Reese und seine Frau Ulrike Anfang der 2000er-Jahre nach einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb suchten, hatten sie zunächst Mecklenburg-Vorpommern im Blick. Andreas war auf einem Bauernhof in Niedersachsen aufgewachsen, Landwirtschaft war für ihn weit mehr als ein Beruf. Nachdem sich das Paar beim Studium kennenlernte, träumten beide davon, einen Hof nach ihren Vorstellungen zu bewirtschaften. Doch auf dem elterlichen Betrieb von Andreas Reese gab es dafür keine Perspektive.

Dann erfuhren sie von einem Gut in Börtewitz bei Leisnig, für das eine Nachfolge gesucht wurde.

Als sie zum ersten Mal durch den kleinen Ort fuhren, fiel ihr Blick auf die alten Bruchsteinmauern. Sie erzählten Geschichten von vergangenen Generationen. Auf dem Hof selbst warteten eingerüstete Gebäude, bröckelnder Putz und jede Menge Arbeit. Doch Andreas und Ulrike Reese sahen etwas anderes: Möglichkeiten. Einen Ort, an dem sie leben, arbeiten und vielleicht eines Tages ihre Kinder großziehen würden. „Als wir hier weggefahren sind, wussten wir schon: Das passt“, erinnert sich Andreas Reese. Dieses Bauchgefühl wurde zum Anfang einer Geschichte, die bis heute weitergeschrieben wird.

Für Poldi erzählen die alten Mauern diese Geschichte jeden Tag aufs Neue. Er läuft durch den Torbogen, streift durch den blühenden Garten und verschwindet zwischen den Wirtschaftsgebäuden. Was heute selbstverständlich wirkt, war einst eine große Baustelle.

Sanierung mit Weitblick – Wie aus einem Vierseitenhof ein Zuhause wurde

Dass dieser Ort einmal ganz anders aussah, kann niemand besser bezeugen als die alten Mauern – und der kleine Dackel, der sie Tag für Tag umrundet.

Als Familie Reese den Hof übernahm, wartete viel Arbeit auf sie. Vom Torbogen bröckelte der Putz, Dächer mussten erneuert werden und der Innenhof bestand fast ausschließlich aus Schotter. Wo heute Rosen blühen und Feriengäste und Mieter die Ruhe genießen, bestimmten damals Gerüste, Baumaterial und lange Arbeitstage das Bild.

Andreas und Ulrike Reese ließen sich davon nicht entmutigen. Sie konzentrierten sich nicht auf die Größe der Aufgabe, sondern auf den nächsten Schritt. Aus einer Idee wurde ein Plan, aus einem Plan die nächste Baustelle. Stück für Stück verwandelte sich der historische Vierseitenhof in das, was Besucher heute erleben: ein lebendiger Ort, der Geschichte bewahrt und gleichzeitig Raum für Neues schafft.

„Wenn man sich keine Ziele steckt, kommt man nicht vorwärts“, sagt Andreas Reese. Dieser Gedanke zieht sich bis heute durch das Gut. Nichts entstand über Nacht. Aber vieles entstand mit Geduld, Ausdauer und dem festen Vertrauen darauf, dass sich Einsatz lohnt.


Ohne die Förderung würde der Hof heute nicht so aussehen.

Andreas Reese über die Unterstützung durch das Regionalmanagement SachsenKreuz+


Förderung, die Ideen wachsen lässt

Während Poldi den Geruch von frischem Holz, Mörtel und Farbe immer besser kennenlernte, wurden im Hintergrund wichtige Weichen gestellt. Denn große Vorhaben brauchen nicht nur Tatkraft, sondern auch Menschen, die an sie glauben.

Unterstützung fand Familie Reese beim LEADER-Regionalmanagement SachsenKreuz+, einem wichtigen Partner im Netzwerk der Nestbau-Zentrale Mittelsachsen. Mithilfe der Fördermittel konnten Fassaden saniert, Dächer erneuert und die Hofgestaltung Schritt für Schritt umgesetzt werden. „Ohne die Förderung würde der Hof heute nicht so aussehen“, sagt Andreas Reese. Für ihn ist die finanzielle Unterstützung weit mehr als ein Zuschuss. Sie ist ein Vertrauensbeweis. Eine Bestätigung dafür, dass sich Engagement für den ländlichen Raum lohnt und historische Gebäude eine Zukunft haben können, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Wer heute über den Hof geht, sieht das Ergebnis dieser Entwicklung überall: in den liebevoll restaurierten Gebäuden, den gepflegten Außenanlagen und den vielen kleinen Details, die Gut Börtewitz seinen besonderen Charakter verleihen. Für Poldi sind sie längst selbstverständlich. Für viele Gäste sind sie der Grund, warum sie immer wieder staunend stehen bleiben.

Wo Kinder ihren Platz finden und Gäste willkommen sind

Poldi kennt die Tagesabläufe der Familie besser als jeder Kalender. Während der kleine Dackel seine Runden dreht, läuft auf dem Hof vieles fast lautlos ineinander. Auf den Weiden grasen die Galloways, im Stall wird gearbeitet und im Innenhof treffen sich Gäste nach ihren Ausflügen. Jeder Tag bringt neue Begegnungen – und doch strahlt Gut Börtewitz eine Gelassenheit aus, die ansteckend wirkt. Diese Gelassenheit spiegelt auch die Haltung wider, mit der Andreas und Ulrike Reese ihren Betrieb führen. Landwirtschaft bedeutet für sie Verantwortung – für die Tiere, für den Boden und für das, was sie kommenden Generationen hinterlassen.

Mit der Ferienwohnung erfüllte sich vor allem Ulrike Reese einen lang gehegten Wunsch. Heute begrüßt die Familie regelmäßig Gäste aus ganz Deutschland. Viele besuchen Mittelsachsen zum ersten Mal und entdecken Burgen, Schlösser, sanfte Hügellandschaften und eine Ruhe, die im Alltag oft verloren gegangen ist. „Wir waren und sind selbst immernoch begeistert von der vielfältigen Natur hier in der Region und möchten diese Begeisterung gern weitergeben“, betont die Hausherrin.

Im Nestbau-Netzwerk entstehen neue Ideen

Wer Poldi aufmerksam beobachtet, merkt schnell: Er interessiert sich für jeden, der durch das Hoftor kommt. Manche Besucher bleiben nur kurz, andere setzen sich mit Andreas Reese zusammen, tauschen Ideen aus und blicken gemeinsam in die Zukunft. Auf Gut Börtewitz ist die Entwicklung längst nicht abgeschlossen.

Ideen gibt es genug. Wer einmal erlebt hat, wie aus einem alten Vierseitenhof ein lebendiger Treffpunkt wird, merkt schnell: Auf Gut Börtewitz ist Stillstand keine Option. Andreas und Ulrike Reese denken weiter. Nicht, weil etwas fehlt. Sondern weil neue Ideen entstehen, sobald Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Deshalb nutzt Andreas Reese auch die Angebote der Nestbau-Zentrale des Landkreises Mittelsachsen. Ob die Nestbau-Messe „Ländliches Bauen“, das Unternehmernetzwerk, der RegioTreff oder der Austausch mit anderen Bauherren – überall dort entstehen Begegnungen, die neue Perspektiven eröffnen und Projekte wachsen lassen können.

Familie Reese weiß aus eigener Erfahrung, welchen Unterschied solche Netzwerke machen. Schon bei der Sanierung des Vierseitenhofes zeigte sich, wie wertvoll die richtigen Ansprechpartner und Unterstützer sind. Oft braucht es nur einen Impuls, einen guten Rat oder das passende Gespräch, damit aus einer Idee ein konkretes Vorhaben wird.

Ankommen in Mittelsachsen – Dem Bauchgefühl vertrauen

Was würden Andreas und Ulrike Reese Menschen raten, die darüber nachdenken, in Mittelsachsen neu anzufangen? Andreas Reese muss nicht lange überlegen: „Nicht zu lange zu überlegen. Offen zu sein. Und dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.“

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Poldi die Gäste so gelassen begrüßt. Tag für Tag erlebt er, wie Menschen auf den Hof kommen, staunen und sich willkommen fühlen. Manche bleiben ein paar Tage. Andreas und Ulrike Reese sind geblieben. Aus Zugezogenen wurden Gastgeber. Aus einem sanierungsbedürftigen Hof wurde ein Ort, an dem Zukunft wächst – und an dem immer wieder Menschen ankommen, die am Ende denselben Satz sagen.

Poldi schaut dann meist nur kurz auf, als hätte er nie daran gezweifelt. Andreas und Ulrike Reese wissen dagegen genau, warum ihre Gäste diesen Satz sagen. Sie selbst haben ihn vor fast zwanzig Jahren zum ersten Mal gedacht – und sorgen bis heute dafür, dass immer mehr Menschen ihn ebenfalls aussprechen: „Wie schön es hier ist.“


Text & Bilder: Maikirschen e.K.


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